Otto Muehl, einer der umstrittensten Aktionisten Österreichs, starb im Jahr 2013. Doch erst rund ein Jahrzehnt nach seinem Tod rückt der gesellschaftliche Umgang mit seinem Werk wieder in den Fokus der Kritik. Trotz seiner Verurteilung und der Verhaftung im Jahr 1991 werden Muehls künstlerische Arbeiten bis heute ausgestellt und vielfach gefeiert – eine Tatsache, die zunehmend Fragen aufwirft.
In den 1970er-Jahren gründete Muehl die sogenannte „Muehl-Kommune“, der zeitweise über 600 Menschen aus ganz Europa angehörten. Zentrum dieses streng hierarchischen und von systematischem Missbrauch und Gewalt geprägten Systems war der Friedrichshof im Burgenland. Was lange als radikale „Kleinfamilien-Gesellschaft“ mit Otto Muehl als Schlüsselfigur des Wiener Aktionismus verklärt wurde, entpuppte sich als totalitäres Gefüge, in dem insbesondere Kinder und Jugendliche schwerem sexuellen und psychischen Missbrauch und Gewalt ausgesetzt waren.
Ein Forschungsprojekt zur politischen und gesellschaftlichen Verantwortung
Um diese Kapitel der österreichischen Geschichte kritisch aufzuarbeiten, sind Marie-Therese Hochwartner, Sammlungsleiterin des mumok, Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sekten, Hedwig Wölfl, Leiterin des Kinderschutzzentrums Die Möwe, und Maria Windhager als Anwältin von Betroffenen, initiativ geworden. Ziel ist eine umfassende politische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der sogenannten Sektenzeit rund um Otto Muehl.
Ein zentraler Fokus liegt dabei auf dem damaligen Versagen staatlicher Behörden, die über Jahre hinweg nicht oder nur unzureichend eingegriffen haben. Zudem soll vorhandenes Filmmaterial im Ausmaß von 7000 Stunden vom Friedrichshof erstmals systematisch wissenschaftlich ausgewertet werden, um Strukturen, Dynamiken und Verantwortlichkeiten sichtbar zu machen.
Der Bund ist ausdrücklich aufgefordert, diese Forschungsinitiative aktiv zu unterstützen und finanziell zu fördern. Eine kritische Aufarbeitung ist nicht nur im Interesse der Opfer, sondern auch notwendig, um aus der Vergangenheit zu lernen und vergleichbare Machtmissbrauchssysteme künftig frühzeitig zu erkennen.
Links
- Das Werk des Täters – DATUM (11.2025)
- #68 Missbrauch, Sektenwahn, politisches Versagen: Die Akte Otto Mühl – mit Christina Pausackl & Thomas Winkelmüller ~ Bühneneingang – Kultur von innen Podcast (14.11.2025)
- Wenn Kunst zur Tarnung von Gewalt wird | Monopol (28.12.2025)
- Streit in Wien über Aktions-Kunst: Die Entkunstung des Otto Mühl | taz.de (17.01.2026)
- https://www.monopol-magazin.de/medienschau-19012026 (19.01.2026)
- Nach anhaltender Debatte doch keine Otto-Mühl-Retrospektive in Wien – Kunst – derStandard.at › Kultur (24.01.2026)
- Muehl-Schau in Wien wird überarbeitet | Nachrichten.at (25.01.2026)
- Kindesmissbrauch: Otto Muehls Täterkunst soll aufgearbeitet werden | FAZ (26.01.2026)
- Otto Muehl: Die Absage der Retrospektive des Skandal-Malers als vertane Chance – FALTER (27.01.2026)
- Schröder zu Otto Muehls Missbrauch: „Es gab unglaublich viele Wegschauer, Mitläufer und Mittäter“ – DiePresse.com (29.01.2026)
- https://www.derstandard.at/story/3000000306412/die-causa-otto-muehl-muss-aufgearbeitet-werden (30.01.2026)
- Ex-Albertina-Chef: „Wir haben die Friedensdividende verbraucht“ | Kurier (14.02.2026)
- Diese Bilder sind keine Mühl-Werke – sie sind Sektenkunst – Kommentare der anderen – derStandard.at › Diskurs (04.03.2026)
- https://www.diepresse.com/20696491/otto-muehl-der-missbrauch-im-namen-der-kunst-geht-weiter#slide-1-1 (21.03.2026)
- https://www.derstandard.at/story/3000000313551/causa-muehl-vizekanzler-initiiert-expertenrat-fuer-taeterkunst (23.03.2026)
- https://kurier.at/kultur/babler-wam-wiener-aktionismus-museum-otto-muehl-expertinnenrat-schroeder/403143548 (23.03.2026)
- Braucht Kunst Grenzen? – tv.ORF.at (23.03.2026)
- https://www.falter.at/zeitung/20260324/wird-das-jetzt-was-herr-kulturminister-babler (24.03.2026)