Szenenbild aus Nestbeschmutzung
© Bettina Frenzel/Kosmos Theater
Machtmissbrauch und Übergriffe am Theater

Nestbeschmutzung – Machtmissbrauch im Theaterbetrieb: Wenn Journalismus die Bühne betritt

Am 4. April 2024 feierte das Stück Nestbeschmutzung im Kosmos Theater Wien Premiere. Die Produktion folgt einem aktuellen Trend: Journalistische Recherche wird im Format des Recherchetheaters auf die Bühne gebracht.

Begründet wird diese Form damit, dass Theater komplexe Zusammenhänge spielerisch und emotional erfahrbar machen kann – auf eine Weise, die klassischer Journalismus so nicht leisten kann. Im Januar 2026 war die vielfach beachtete Inszenierung wieder im Kosmos Theater zu sehen.

Nestbeschmutzung verbindet theatrale Darstellung mit journalistischer Recherche und widmet sich einem viel diskutierten Thema: Machtmissbrauch innerhalb des Theaterbetriebs. Das Institut Medien, Politik & Theater arbeitete rund zwei Jahre an der Recherche, führte Gespräche mit Betroffenen und Expertinnen und befragte unter anderen auch die Rechtsanwältin Maria Windhager ausführlich zu ihren Erfahrungen aus juristischer Perspektive.

Ein Blick hinter die Kulissen

Beim jährlichen „Klassentreffen“ präsentiert sich die Theaterbranche zunächst von ihrer glanzvollen Seite: Erfolge werden gefeiert, bekannte Namen bewundert, zwischen Dancefloor und Bar entstehen Kontakte und informelle Bewerbungsgespräche. Doch hinter dieser Fassade stehen Erfahrungen, über die selten öffentlich gesprochen wird.

Der Abend blickt hinter die Kulissen eines Systems, in dem Machtmissbrauch, Grenzüberschreitungen und Abhängigkeiten keine Einzelfälle sind. Thematisiert werden die Hürden für Betroffene, institutionelle Schutzmechanismen sowie Täter- und Mitläufer*innenschaft. Gleichzeitig stellt die Inszenierung festgefahrene Glaubenssätze innerhalb der Branche infrage.

Das Stück macht Machtstrukturen und Missbrauch in der Kulturbranche sichtbar. Es regt zum Nachdenken an, wirft Fragen auf und beleuchtet die Mechanismen hinter Grenzüberschreitungen, Schutzstrukturen und Mitverantwortung. Damit lädt es das Publikum ein, sich aktiv mit einer meist unsichtbaren Realität auseinanderzusetzen.

Auszeichnungen

Nestbeschmutzung wurde mit dem Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Off-Produktion“ ausgezeichnet. Die Wochenzeitung Falter zählte die Inszenierung zu den zehn bemerkenswertesten Theaterarbeiten des Jahres 2024. Zudem war das Stück zum Festival Radikal jung 2025 eingeladen.

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